Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) beim Hund

Veröffentlicht am 3. August 2026 um 19:49

Informationen für Tierhalter

Was ist die Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein kleines, aber lebenswichtiges, U-förmiges Organ im Bauchraum.

Sie liegt zwischen Magen, Zwölffingerdarm, Milz und Leber und hat folgende Aufgaben:

  1. Verdauung
    Sie produziert Enzyme, die über einen Ausführungsgang in den Dünndarm gelangen. Dort helfen sie bei der Verdauung von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten.
  2. Blutzuckerregulation
    Die Bauchspeicheldrüse bildet außerdem Hormone wie Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren.

Gerät dieses empfindliche Organ aus dem Gleichgewicht, kann dies erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.

Was ist eine Pankreatitis?

Unter einer Pankreatitis versteht man eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Normalerweise werden die Verdauungsenzyme erst im Darm aktiv. Bei einer Entzündung können sie jedoch bereits innerhalb der Bauchspeicheldrüse aktiviert werden.

Die Folge:
Das Organ beginnt, sich selbst zu verdauen. Dadurch entstehen starke Entzündungsreaktionen, Schmerzen und in schweren Fällen Schäden an anderen Organen.

Die Erkrankung kann:

  • akut auftreten
  • chronisch verlaufen oder
  • immer wieder in Schüben auftreten.

Ursachen

Oft lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Dennoch gibt es verschiedene Risikofaktoren.

Häufige Auslöser

  • sehr fettreiches Futter oder langfristige Verfütterung kohlenhydratreicher Futtermittel
  • plötzliche Futterumstellung oder plötzliche Erhöhung des Fettanteils (Bsp. Weihnachtsgans)
  • große Mengen Essensreste
  • stark gewürzte oder fettige Lebensmittel
  • Übergewicht
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • hormonelle Erkrankungen
  • bestimmte Medikamente
  • schwere Infektionen
  • Bauchverletzungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Chronischer Stress und emotionale Belastung
  • Vergiftungen

Bei vielen Hunden entsteht die Erkrankung ohne klar erkennbare Ursache

Welche Hunde sind häufiger betroffen?

Grundsätzlich kann jeder Hund in jedem Alter daran erkranken.

Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:

  • übergewichtigen Hunden
  • älteren Hunden
  • Hunden mit Diabetes
  • Hunden mit Fettstoffwechselstörungen
  • bestimmten Rassen wie Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Collie, Zwergschnauzer, Yorkshire Terrier, Cocker Spaniel

Eine Veranlagung bedeutet jedoch nicht, dass ein Hund zwangsläufig erkrankt.

Symptome

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Typische Anzeichen

  • starke Bauchschmerzen
  • gekrümmte Körperhaltung („Gebetsstellung“)
  • Appetitlosigkeit und evtl. Gewichtsabnahme
  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Fieber
  • Mattigkeit, Schwäche, schlechtes Allgemeinbefinden
  • Austrocknung
  • Gewichtsverlust
  • Zittern

Viele Hunde wirken ungewöhnlich ruhig und möchten nicht angefasst werden.

Bei schweren Verläufen können Kreislaufprobleme bis hin zum Schock auftreten.

Warum schmerzt die Erkrankung so stark?

Die Pankreatitis gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen. Die Entzündung führt zu einer starken Reizung des Bauchraums. Schon leichte Bewegungen können Schmerzen verursachen.

Normalerweise produziert die Bauchspeicheldrüse Verdauungsenzyme, die erst im Dünndarm aktiv werden. Bei einer Pankreatitis werden diese Enzyme jedoch bereits im Organ selbst aktiviert. Dadurch beginnt die Bauchspeicheldrüse, ihr eigenes Gewebe anzugreifen – ein Vorgang, der als "Selbstverdauung" bezeichnet wird.

Das führt zu:

  • Schwellungen des Gewebes
  • Zerstörung von Zellen
  • Freisetzung von Entzündungsstoffen
  • Reizung zahlreicher Schmerzrezeptoren

Reizung des Bauchfells

Die Bauchspeicheldrüse liegt in unmittelbarer Nähe des Bauchfells (Peritoneum). Entzündungsflüssigkeit und Enzyme können das empfindliche Bauchfell reizen. Da dieses reich an Nervenenden ist, werden selbst kleine Bewegungen als sehr schmerzhaft empfunden.

Viele Hunde:

  • bewegen sich vorsichtiger,
  • laufen langsamer,
  • möchten nicht springen,
  • meiden Treppen,
  • schlafen mehr,
  • zeigen eine angespannte Bauchmuskulatur.

Diese Schonhaltung kann wiederum zu Muskelverspannungen im Rücken und an den Hintergliedmaßen führen.

Beteiligung benachbarter Organe

Die Bauchspeicheldrüse liegt eng an Magen, Zwölffingerdarm, Leber und Gallenwegen. Die Entzündung kann auf diese Strukturen übergreifen oder sie mitreizen. Dadurch treten häufig zusätzlich Übelkeit, Erbrechen und starke Bauchkrämpfe auf.

Muskelverspannungen als Schutzreaktion

Um die schmerzende Bauchregion zu schützen, spannen viele Hunde unwillkürlich ihre Bauch- und Rückenmuskulatur an. Diese Schonhaltung führt häufig zu:

  • verhärteter Rückenmuskulatur,
  • Schmerzen im Lendenbereich,
  • eingeschränkter Beweglichkeit und
  • einem steifen Gangbild.

Diese Muskelverspannungen können auch nach Abklingen der akuten Entzündung noch bestehen und sind ein Grund, warum eine tierärztlich freigegebene Physiotherapie in der Erholungsphase hilfreich sein kann.

Warum nehmen Hunde die "Gebetsstellung" ein?

Ein typisches Anzeichen einer Pankreatitis ist die sogenannte Gebetsstellung:

  • Die Vorderbeine und der Brustkorb liegen tief am Boden.
  • Das Hinterteil bleibt aufgerichtet.

Mit dieser Haltung versucht der Hund, den Druck im Oberbauch zu verringern und die Spannung auf die entzündete Bauchspeicheldrüse zu reduzieren. Sie ist ein deutlicher Hinweis auf starke Bauchschmerzen und sollte immer tierärztlich abgeklärt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Tierarzt berücksichtigt mehrere Faktoren:

  • gründliche klinische Untersuchung
  • Blutuntersuchungen
  • spezielle Pankreas-Laborwerte
  • Ultraschalluntersuchung
  • gegebenenfalls Röntgenaufnahmen
  • Ausschluss anderer Erkrankungen

Nicht jeder Blutwert ist eindeutig. Häufig ergibt erst die Kombination verschiedener Untersuchungen ein klares Bild.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad.

Sie kann umfassen:

  • Infusionen
  • Schmerztherapie
  • Medikamente gegen Übelkeit
  • entzündungshemmende Maßnahmen
  • frühzeitige angepasste Ernährung (fettarm)
  • Behandlung möglicher Grunderkrankungen

In schweren Fällen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Die richtige Ernährung

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle.

Diese sollte folgendermaßen gestaltet sein:

  • hochverdaulich
  • fettarmes Futter
  • leicht verdauliche Eiweißquellen
  • faserarmes Gemüse (z.B. Karotten, auch als Moro’sche Suppe)
  • kleine Portionen
  • mehrere Mahlzeiten täglich
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme

Auf folgende Lebensmittel sollte verzichtet werden:

  • Wurst
  • Fetthaltige Leckerli und Kauartikel
  • Käse
  • Essensreste

Auch Belohnungen sollten möglichst fettarm sein oder ausgelassen werden

Nach Ausbleiben der Symptome kann schrittweise wieder zu einer normalen Ration zurückgegangen werden, falls dies vertragen wird.

Folgende Zusätze sollten nach Absprache mit Tierarzt, Ernährungsberater oder Tierheilpraktiker unterstützend supplementiert werden:

  • Omega-3-Fettsäuren zur Reduktion der Entzündung
  • B-Vitamine (kann appetitanregend wirken)
  • Selen (zur Reduktion von oxidativem Stress)
  • Vitamin K2 (kann die Entzündung lindern und gewebsschädigende Immunreaktionen lindern)
  • Nach Abklingen der Symptome sollte der Darm saniert werden

Kann Physiotherapie helfen?

Ja – allerdings nicht während einer akuten, schmerzhaften Entzündungsphase.

Sobald der Tierarzt den Hund freigegeben hat, kann Tierphysiotherapie die Genesung sinnvoll unterstützen.

Ziele der Physiotherapie

  • Muskelabbau verhindern
  • Beweglichkeit erhalten
  • verspannte Muskulatur lösen
  • Schonhaltungen abbauen
  • Rückenmuskulatur stärken
  • Gangbild verbessern
  • allgemeine Fitness wiederherstellen
  • Lebensqualität erhöhen

Prognose

Viele Hunde erholen sich bei frühzeitiger Behandlung vollständig.

Dennoch können:

  • Rückfälle auftreten,
  • chronische Entzündungen entstehen oder
  • Folgeerkrankungen wie Diabetes oder eine eingeschränkte Verdauungsleistung entstehen.
  • Eine Pankreasinsuffizienz entstehen

Deshalb sind regelmäßige tierärztliche Kontrollen wichtig.

Vorbeugung

Das Risiko lässt sich zwar nicht vollständig ausschließen, jedoch deutlich reduzieren.

Empfehlenswert sind:

  • normales Körpergewicht
  • ausgewogene Ernährung
  • fettarme Leckerlis
  • keine Essensreste vom Tisch
  • regelmäßige Bewegung
  • langsame Futterumstellungen
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
  • regelmäßige tierärztliche Vorsorge

Wann sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden?

Bitte suchen Sie umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik auf, wenn Ihr Hund:

  • wiederholt erbricht,
  • starke Bauchschmerzen zeigt,
  • die sogenannte Gebetsstellung einnimmt,
  • plötzlich keinen Appetit mehr hat,
  • sehr schlapp wirkt,
  • Fieber entwickelt,
  • zusammenbricht oder
  • Anzeichen eines Kreislaufversagens zeigt.

Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Heilungschancen erheblich.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Hund eine sehr akute Bauchspeicheldrüsenentzündung haben kann OHNE eindeutige und extreme Symptome, also aufmerksam bleiben !!

Fazit

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die schnelle tierärztliche Behandlung erfordert. Mit einer passenden medizinischen Therapie, einer angepassten Ernährung und – nach der Akutphase – einer individuell abgestimmten physiotherapeutischen Betreuung können viele Hunde wieder eine gute Lebensqualität erreichen.

Hast du Fragen ? Dann melde dich gerne bei mir.

(kein Anspruch auf Vollständigkeit)